Darf ich in Liechtenstein die doppelte Staatsbürgerschaft haben?
Es kommt auf die Richtung an: Liechtensteiner dürfen eine zweite Staatsbürgerschaft annehmen, wer sich aber einbürgern lässt, muss die bisherige aufgeben. Diese Asymmetrie steht im Bürgerrechtsgesetz (BüG, LR 141.0). Ein Liechtensteiner, der im Ausland einen zweiten Pass erwirbt, behält seinen; auch Kinder aus gemischten Ehen dürfen zwei Bürgerrechte haben. Wer dagegen als Ausländer eingebürgert wird, muss seit 1920 auf alle weiteren Staatsangehörigkeiten verzichten — egal ob über die 30-Jahres-Regel, die Ehe oder die Gemeindeabstimmung. Der Mythos: „Liechtenstein erlaubt die Doppelbürgerschaft." Nur halb — für Eingebürgerte gerade nicht. Eine Volksabstimmung wollte das 2020 öffnen und scheiterte mit 61,5 % Nein. Die Schweiz lässt die Doppelbürgerschaft seit 1992 uneingeschränkt zu — Liechtenstein nicht.
📋 Die Regeln
- Liechtensteiner dürfen doppelt: Wer bereits Landesbürger ist und im Ausland eine weitere Staatsangehörigkeit annimmt, verliert die liechtensteinische nicht. Auch Kinder aus liechtensteinisch-ausländischen Ehen dürfen zwei Bürgerrechte führen.
- Eingebürgerte müssen verzichten: Wer als Ausländer die Staatsbürgerschaft erwirbt, muss seit 1920 die bisherige(n) Staatsangehörigkeit(en) aufgeben. Das steht im Bürgerrechtsgesetz (LR 141.0).
- Gilt für jeden Weg: Der Verzicht ist bei allen Einbürgerungsverfahren nötig — der 30-Jahres-Regel, der Einbürgerung durch Ehe und dem ordentlichen Verfahren mit Gemeindeabstimmung.
- Volk sagte 2020 Nein: Eine Gesetzesänderung, die EU-, EWR- und Schweizer Staatsangehörigen die Doppelbürgerschaft bei Einbürgerung erlaubt hätte, wurde 2020 mit 10'262 zu 6'417 Stimmen (61,5 % Nein) verworfen.
- Gleiche Nummer, andere Politik: Wie die Schweiz hat Liechtenstein ein Bürgerrechtsgesetz (BüG) unter der Systematiknummer 141.0 — die Schweiz erlaubt die Doppelbürgerschaft seit 1992, Liechtenstein verlangt weiter den Verzicht.
🔓 Ausnahmen
- Verzicht unmöglich oder unzumutbar: Lässt ein Staat die Entlassung nicht zu oder wäre sie unzumutbar, kann von der Aufgabe der bisherigen Staatsangehörigkeit ausnahmsweise abgesehen werden.
- Erwerb von Gesetzes wegen: Ausländische Kinder einer liechtensteinischen Mutter haben seit 1997 einen Anspruch auf die Staatsbürgerschaft, ohne die andere aufgeben zu müssen.
- Verlust nach der Ehe: Wer nur durch Heirat Liechtensteiner wurde, kann das Bürgerrecht bei Ungültigkeit oder Scheidung der Ehe wieder verlieren, sofern dadurch keine Staatenlosigkeit entsteht.
⚠️ Bussen und Folgen
Der Preis der Einbürgerung ist der alte Pass — und dieser Verzicht ist endgültig. Wer eingebürgert wird, muss die Entlassung aus der bisherigen Staatsangehörigkeit tatsächlich nachweisen; ohne diesen Schritt kommt die Einbürgerung nicht zustande oder kann widerrufen werden. Mit dem alten Pass verliert man oft mehr, als man denkt: Erb-, Grundstücks- oder Rentenrechte im Herkunftsland, die visafreie Rückkehr, manchmal das Wahlrecht dort. Ein Rückerwerb der aufgegebenen Staatsangehörigkeit ist häufig schwierig. Wer beim Antrag eine zweite Staatsangehörigkeit verschweigt, riskiert, dass die Einbürgerung später wegen falscher Angaben aufgehoben wird. Und wer voreilig verzichtet, bevor die Einbürgerung sicher ist, läuft Gefahr, vorübergehend staatenlos zu werden — weshalb die Behörden den Ablauf sorgfältig staffeln.
📎 Offizielle Quellen
- LILEX — Bürgerrechtsgesetz (BüG, LR 141.0) (Rechtsregister-Startseite) →
- Ausländer- und Passamt — Einbürgerung und Staatsbürgerschaft (Landesverwaltung) →
- Abstimmungen Liechtenstein — Volksabstimmung 2020 zur Doppelbürgerschaft →
❓ Häufige Fragen
Darf ich als Liechtensteiner einen zweiten Pass haben?
Ja, wer bereits Landesbürger ist und im Ausland eine weitere Staatsangehörigkeit erwirbt, behält die liechtensteinische. Auch Kinder aus liechtensteinisch-ausländischen Ehen dürfen zwei Bürgerrechte führen.
Muss ich meinen alten Pass abgeben, wenn ich mich einbürgern lasse?
Ja, wer als Ausländer die liechtensteinische Staatsbürgerschaft erwirbt, muss seit 1920 auf die bisherige verzichten. Das gilt ausnahmslos für alle Verfahren, ob 30-Jahres-Regel, Einbürgerung durch Ehe oder das ordentliche Verfahren mit Gemeindeabstimmung.
Hat Liechtenstein die Doppelbürgerschaft nicht 2020 eingeführt?
Nein, die Vorlage wurde in der Volksabstimmung 2020 mit rund 61,5 Prozent Nein deutlich abgelehnt, konkret mit 10'262 zu 6'417 Stimmen. Der Verzicht auf die bisherige Staatsangehörigkeit bei einer Einbürgerung besteht deshalb unverändert weiter.
Gibt es Ausnahmen von der Verzichtspflicht?
Ja, wenn ein Staat die Entlassung nicht zulässt oder sie unzumutbar wäre, kann davon abgesehen werden. Zudem haben ausländische Kinder einer liechtensteinischen Mutter seit 1997 einen Anspruch ohne Aufgabe der anderen Staatsangehörigkeit.
Ist das wie in der Schweiz?
Nein, die Schweiz erlaubt die doppelte Staatsbürgerschaft seit 1992 uneingeschränkt, auch bei Einbürgerung. Liechtenstein hat zwar ein Bürgerrechtsgesetz unter derselben Nummer 141.0, verlangt aber weiterhin den Verzicht.
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