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Seit 1. August 2024 gilt neues Erbrecht — die Eltern haben keinen Pflichtteil mehr.
Aktualisiert julio 2026

⚖️ Wer hat in Liechtenstein Anspruch auf einen Pflichtteil?

Mit Bedingungen
Kurze Antwort

Kinder und der überlebende Ehegatte oder eingetragene Partner haben einen Pflichtteil — die Eltern seit dem 1. August 2024 nicht mehr. Das ist die entscheidende Neuerung des reformierten Allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuchs (ABGB, LR 210.0): Für Todesfälle ab dem 1. August 2024 gilt das neue Erbrecht. Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils; er sichert Nachkommen und Ehegatten einen Mindestanteil, selbst wenn das Testament sie übergeht. Der Mythos: „Meine Eltern haben immer Anspruch auf einen Pflichtteil." Falsch — seit der Reform ist der Eltern-Pflichtteil abgeschafft. Die Schweiz reformierte ihr ZGB (SR 210) schon 2023 ähnlich; Liechtensteins ABGB trägt fast dieselbe Nummer (210.0), ist aber ein eigenständiges Gesetz — und eine Erbschaftssteuer gibt es nicht.

📋 Die Regeln

  • Pflichtteil für Kinder und Ehegatte: Nach dem reformierten ABGB (LR 210.0) steht Nachkommen und dem überlebenden Ehegatten oder eingetragenen Partner ein Pflichtteil zu — die Hälfte des jeweiligen gesetzlichen Erbteils.
  • Kein Pflichtteil für Eltern mehr: Für Todesfälle ab dem 1. August 2024 ist der Pflichtteil der Vorfahren (Eltern, Grosseltern) abgeschafft. Kinderlose können ihren Partner nun zum Alleinerben machen.
  • Der Pflichtteil ist ein Geldanspruch: Der Berechtigte wird nicht zwingend Miteigentümer; er hat Anspruch auf den Wert seines Pflichtteils in Geld. Das erleichtert es, Betriebe oder Immobilien ungeteilt zu vererben.
  • Reduktion und Stundung erleichtert: Das neue Recht lässt die Minderung des Pflichtteils auf die Hälfte leichter zu und erlaubt eine Stundung, damit der Nachlass nicht zerschlagen werden muss.
  • Enterbung nur aus Gründen: Ein Pflichtteilsberechtigter kann nur bei gesetzlichen Enterbungsgründen ausgeschlossen werden; neu kam ein Pflegevermächtnis für nahestehende Pflegepersonen hinzu.

🔓 Ausnahmen

  • Altfälle vor dem 1. August 2024: Für Erbfälle vor dem Stichtag gilt noch das alte Recht — dort konnten auch Eltern einen Pflichtteil haben. Das Todesdatum entscheidet, nicht das Datum des Testaments.
  • Erb- und Pflichtteilsverzicht: Wer zu Lebzeiten einen Verzichtsvertrag schliesst, kann auf den Pflichtteil verzichten; das ist ein anerkannter Weg, den Nachlass frei zu gestalten.
  • Schenkungen werden angerechnet: Grössere Schenkungen zu Lebzeiten können bei der Berechnung des Pflichtteils hinzugerechnet werden — sie umgehen den Pflichtteil nicht ohne Weiteres.

⚠️ Bussen und Folgen

Ein übergangener Pflichtteilsberechtigter kann seinen Anteil einklagen — das sprengt manche Nachlassplanung. Wer im Testament einen Pflichtteilsberechtigten übergeht, riskiert die Pflichtteilsklage: Der Berechtigte fordert den Geldwert seines Anteils, und die Erben müssen ihn auszahlen — im Zweifel, indem sie Vermögen verkaufen oder belasten. Wurde zu Lebzeiten viel verschenkt, kann die Hinzurechnung den Anspruch erhöhen und den Beschenkten treffen. Nicht offensichtlich: Ein selbst geschriebenes Testament, das den Pflichtteil ignoriert oder Formfehler enthält, führt zu Streit, Kosten und Verzögerung bei der Nachlassabwicklung. Immerhin: Eine Erbschaftssteuer kennt Liechtenstein nicht, doch die Auszahlung des Pflichtteils bleibt eine reale, oft unterschätzte Belastung für die übrigen Erben.

📎 Offizielle Quellen

Zuletzt geprüft: 2026-07-12

❓ Häufige Fragen

Haben meine Eltern Anspruch auf einen Pflichtteil?

Nein, für Todesfälle ab dem 1. August 2024 ist der Pflichtteil der Eltern und übrigen Vorfahren abgeschafft. Kinderlose Personen können deshalb ihren Ehe- oder eingetragenen Partner zum Alleinerben einsetzen, ohne die Eltern berücksichtigen zu müssen.

Wie hoch ist der Pflichtteil der Kinder?

Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils, der dem Kind ohne Testament zustünde. Er ist ein Anspruch auf den Geldwert, sodass Betriebe oder Immobilien nicht zwingend real geteilt werden müssen.

Kann ich einen Pflichtteilsberechtigten enterben?

Nur wenn ein gesetzlicher Enterbungsgrund vorliegt, etwa bei schweren Verfehlungen gegen den Erblasser. Ansonsten bleibt der Pflichtteil bestehen, lässt sich unter erleichterten Voraussetzungen aber auf die Hälfte mindern.

Zahle ich in Liechtenstein Erbschaftssteuer?

Nein, Liechtenstein hat die Erbschafts- und Schenkungssteuer mit der Steuerreform von 2011 abgeschafft. Der Nachlass löst also keine Erbschaftssteuer aus, wohl aber gehört ererbtes Vermögen danach zur laufenden Vermögenssteuer des Erben.

Ist das Erbrecht wie in der Schweiz?

Im Ergebnis ähnlich, denn auch die Schweiz hat 2023 den Eltern-Pflichtteil gestrichen und den Nachkommen-Pflichtteil gesenkt. Liechtenstein zog 2024 nach, doch sein ABGB ist ein eigenes Gesetz mit der Nummer 210.0, während das Schweizer ZGB unter SR 210 läuft.

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